Der Tibeter Loten Namling kämpft in der Schweiz seit Jahrzehnten für die Freiheit Tibets – ein Kampf, der angesichts der Übermacht Chinas aussichtslos scheint. Warum führt ihn Namling trotzdem?
«Viele Leute machen aus Kämpfern Helden, das ist falsch», sagt Loten Namling. Er sitzt im Ledermantel auf der Bundesterrasse in Bern, den Körper leicht vornübergebeugt. «Ein Kämpfer ist jemand, der nicht anders kann, der für die Wahrheit keine Kompromisse eingeht.»
Namling packt eine Bambusflöte aus. Sein weisses Haar glänzt im Licht. In der Ferne erhebt sich in der Wintersonne das Alpenpanorama. Und dann erklingen Flötentöne. Zuerst schwingen sie nicht richtig. Er trifft sie nur halb. Dann aber werden sie kräftig. Es ist ein Lied aus dem Himalaya, aus Tibet – aus dem Land, aus dem Namlings Eltern einst vor der chinesischen Volksbefreiungsarmee geflüchtet sind.
Namling schiebt die Flöte wieder in ihre Hülle. «Das ist ein Lied zum 90. Geburtstag des Dalai Lama», sagt er. Es gibt ihm Hoffnung. «Wir Exiltibeter gehören zu den Kindern des Dalai Lama. Und er hat gesagt, dass er als freier Mensch, in einem freien Land wiedergeboren wird.» Als geistliches Oberhaupt ist der Dalai Lama für die Tibeterinnen und Tibeter, die seit der chinesischen Besetzung Tibets 1950 in alle Welt verstreut leben, zur gemeinsamen Symbolfigur geworden.
Tibet bleibt im Dunkeln
Die leise Melodie steht im Kontrast zum Lichtspektakel «Rendez-vous Bundesplatz», das jedes Jahr zum Wintereinbruch nur ein paar Schritte entfernt die Front des Bundeshauses zur Leinwand macht. Riesige knallbunte Visualisierungen sollen das Publikum im grauen November jeweils in andere Welten entführen. Unter dem Titel Voyage ging es diesmal einmal um die Welt: vom Matterhorn zu ägyptischen Katakomben, von thailändischen Tempelanlagen bis zur Freiheitsstatue.

Foto: Beat Mathys
Auch Tibet hätte Teil dieser Reise sein sollen. So war es geplant. Vielleicht mit schneebedeckten Achttausendern oder einem Tempel und flatternden Gebetsfahnen. Doch noch vor der ersten Aufführung wurde das Land aus der Reise gestrichen. Tibet blieb im Dunkeln. Und wurde gerade deshalb zum politischen Thema; die Streichung ging durch die Schweizer Medien.
Eingegriffen hat die Verwaltungsdelegation des Parlaments. In ihrem Namen schreiben die Parlamentsdienste, politische Themen hätten bei der Show keinen Platz. Weiter äussern sie sich nicht. So bleiben die Vorwürfe, die Schweiz wolle China nicht verärgern und die tibetische Identität werde durch die Streichung unsichtbar gemacht, unbeantwortet im Raum stehen.
Tibet ist ein politisches Thema, weil es seit über siebzig Jahren unter der Kontrolle der Volksrepublik China steht. Als eigenständiger Staat wird Tibet international von keinem Land anerkannt, ungeachtet seiner eigenständigen Kultur. Kritikerinnen – darunter Menschenrechtsorganisationen und internationale Beobachter – dokumentieren seit Jahrzehnten drastische Einschränkungen von Grundrechten, Überwachung, willkürliche Inhaftierungen sowie Eingriffe in Sprache, Religion und kulturelle Praxis durch China.

Foto: Getty Images
Loten Namling lässt die Schultern sinken. Dass die Schweizer Behörden beim Thema Tibet empfindlich reagieren, ist er gewohnt. Der 62-Jährige engagiert sich schon seit seiner Jugend für die Freiheit Tibets. Als professioneller Musiker und politischer Aktivist, mit Konzerten, an Demos und Kundgebungen. «Ich will Wahrheit», sagt Namling. «Die Menschen müssen verstehen, dass Tibet kein spiritueller Freizeitpark ist. Tibet ist ein zerstörtes Land. Ein besetztes Land. Mit echten Menschen. Mit echten Toten.»
«Warum haben sie sich verbrannt?»
Später, im Berner Kulturlokal Turnhalle, wählt Namling einen Tisch am Rand. Mit seinem offenen Mantel, den langen Haaren und dem wachen Blick gibt er eine wahrlich königliche Erscheinung ab. Umgehängt hat er sich Ketten und sakralen Schmuck: eine buddhistische Gebetskette und ein silbernes Röhrchen mit einem Mantra darin, das ihn beschützen soll. Neben ihm liegen die Flöte und die Laute, sein Hauptinstrument.

Foto: Ramon Cunz
Namling beobachtet die Leute, nimmt Kontakt auf, sobald sich ein Anlass ergibt. «Keine Angst, das sind Fotos – für die Zeitung», sagt er zum Beispiel zu zwei Studenten, die ihn schüchtern ansehen. Er lacht freundlich.
Jetzt erzählt er von seinem Kampf. Als sich 2012 in Tibet 42 seiner Landsleute aus Protest gegen Verfolgung und Folter selbst verbrannten, spannte er sich vor einen Sarg und zog ihn in der Sommerhitze zu Fuss von Bern nach Genf. Auf dem schwarzen Sarg stand in weisser Schrift Tibet. Alle 42 Minuten warf er sich mit ganzem Körper zu Boden und machte sogenannte Niederwerfungen – eine Praxis, die im tibetischen Buddhismus für Hingabe und Reinigung steht. Zwei Monate war er unterwegs. Das Schweizer Fernsehen begleitete ihn ein Stück weit.
Seine Wut kann Namling zähmen. Mit ruhiger Stimme fragt er: «Warum haben sie sich verbrannt?» – und gibt die Antwort selbst: «Sie wollten nicht jemanden anderen töten. Es war eine reine Gewissensentscheidung. Das ist die radikalste Form von Gewaltlosigkeit.» Gewaltlosigkeit – ein Prinzip, das im Buddhismus tief verankert ist und davon ausgeht, dass jedes zugefügte Leid weiteres Leid nach sich zieht und so ein nie endender Kreislauf aus Gewalt und Leiden entsteht.
Im Bühnenbereich des Lokals werden die Boxen für ein Jazzkonzert ausgerichtet. Als Musiker, der solche Auftritte gewohnt ist, schaut Namling neugierig hin. Seine Kleider, sein Schmuck, die Instrumente – es mag wirken, als spiele er mit kulturellen Klischees. Vielleicht als eine Art Ureinwohner aus Asien im aufgeräumten Bern? «Er ist ein tibetischer Patriot», sagt ein Bekannter, der einige Tische weiter vorne sitzt. Namling selbst sagt laut: «Warum sollte ich mich als Tibeter verstecken?»
sagt er seine Lieder gerne auf Englisch an.
Video: Ramon Cunz
Schweizer Diplomatie mit China
Im Versteck fühlte er sich schon einmal. 2009, als der damalige chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao nach Bern reiste, um die Grundlagen für das heutige Freihandelsabkommen der Schweiz mit China zu legen. Polizei und Militär errichteten etwas, das sie einen Sichtschutz nannten. Sie reihten Kastenwagen aneinander, um das Bundeshaus gegen ein Häufchen von rund vierzig demonstrierenden Tibeterinnen und Tibetern abzuschirmen. Namling war unter ihnen, in der Hand hielt er eine Tibet-Fahne.

Foto: Beat Schweizer
Die Kundgebung verlief friedlich, doch die chinesische Delegation sollte keine Tibet-Flaggen zu sehen bekommen. Einen diplomatischen Eklat, wie zehn Jahre davor, wollten die Behörden nicht riskieren. Damals reagierten die chinesischen Gäste auf flaggenschwenkende Tibeterinnen und Tibeter pikiert. Die Schweiz habe «einen guten Freund verloren», sagte der chinesische Präsident sogar. Handfeste Konsequenzen Chinas blieben aber aus.
Während des chinesischen Besuchs 2009 machte die Presse Fotos von Loten Namling. Sie zeigen den kräftigen Mann, halb im Fallen, gepackt von drei Polizisten, in einer Hand die tibetische Flagge. Auf eine entsprechende Frage beugt er sich über den Tisch. «Ich hätte eine Waffe nehmen können. Ich hätte mich wie ein Kamikaze in die Luft sprengen können. Das könnte jeder. Aber ich glaube an die Gewaltlosigkeit.»

Foto: Beat Schweizer
Einschüchterungen in der Schweiz
«Die Schweiz ist sehr vorsichtig mit China», sagt Arya Amipa. Der 31-Jährige Jurist ist Co-Präsident des Vereins Tibeter Jugend in Europa, in der Schweiz geboren und gut vernetzt in der Exilgemeinschaft. Diese ist hier vergleichsweise gross; neben Indien gehörte die Schweiz ab 1961 zu den ersten Ländern, die tibetische Flüchtlinge aufnahmen. Sie galten als gut integrierbar, und Arbeitskräfte wurden gebraucht.
«China ist einer der grössten Handelspartner der Schweiz, und sobald es um Tibet geht, wird es heikel.» Der Entscheid, das Tibet-Motiv aus der Lichtshow am Bundeshaus zu entfernen, sei dafür nur ein Beispiel. Dass Demonstrationen vom Bundeshaus wegverlegt oder an der Uni Bern die Sprachkurse in Tibetisch gestrichen worden sind, deutet für ihn ebenfalls in diese Richtung – all das führe dazu, dass Tibet aus dem öffentlichen Raum zunehmend verschwinde.

Foto: Ramon Cunz
Diese Haltung des Bundes sei für viele Tibeterinnen und Tibeter ein Zeichen, dass ihre Anliegen politisch unerwünscht seien. Im Gegensatz dazu sei der Druck der chinesischen Behörden auf Aktivistinnen und Aktivisten bei weitem nicht nur symbolisch, sondern konkret spürbar.
Dies sei schwierig zu beweisen, räumt Amipa ein. Aber die Muster wiederholten sich. Telefonanrufe von unbekannten Nummern, oft mit automatisierten Stimmen. Worum es gehe, sei nicht immer klar. «Vermutlich wollen sie einfach zeigen, dass sie mithören, und Angst verbreiten.»
Bei Demonstrationen würden sie eingeschüchtert. «Mittlerweile versuchen sie es erst gar nicht mehr auf die heimliche Art», sagt Amipa. «Sie nutzen zum Fotografieren Kameras mit extra langen Objektiven, damit wir merken: Wir werden beobachtet.»
Die Folgen träfen oft nicht die Tibeter und Tibeterinnen in der Schweiz, sondern die Verwandten zu Hause. «Dann heisst es: Wir haben Besuch von Beamten bekommen, hör auf aktiv zu sein, sonst bekommen wir Probleme.» In manchen Fällen breche der Kontakt dann auch ab, aus Angst.
In Tibet selbst hätten die chinesischen Behörden flächendeckend Zwangsinternate für tibetische Kinder zwischen 4 und 18 Jahren eingeführt, so Amipa. «Sie werden von ihren Familien getrennt und zu Chinesinnen und Chinesen umerzogen.»
Ähnlich in der Religion. «Den tibetischen Buddhismus kann man nicht frei ausüben.» Klöster stünden unter staatlicher Aufsicht, und bei zentralen religiösen Anliegen, etwa der Anerkennung von Reinkarnationen, mische sich die chinesische Regierung ein. «Es geht nicht um Religion», sagt Amipa. «Es geht um Macht.»
Vor diesem Hintergrund stelle sich für ihn die Frage: Wie kann seine Kultur ausserhalb Tibets überleben?
Der Bund spricht von Repressionen
Mit diesen Fragen beschäftigt sich mittlerweile auch der Bund. In einem 2025 veröffentlichten Bericht kommt er zum Schluss, dass Tibeterinnen und Tibeter in der Schweiz «transnationaler Repression» ausgesetzt sind. Gemeint ist Druck aus dem Ausland, der oft schwer greifbar ist.
Auf Nachfrage bestätigt das Staatssekretariat für Migration (SEM) die Aussagen im Bericht. Die Betroffenen würden «von Akteuren der Volksrepublik China mutmasslich unter Druck gesetzt und zum Teil in der Ausübung ihrer Grundrechte behindert.» Ziel solcher Einflussnahme sei es, «Dissens, Aktivismus und Opposition» zu unterdrücken, indem «ein Klima der Angst über die eigenen Staatsgrenzen hinaus» entstehe.
Konkrete Schutzmassnahmen sind daraus bislang nicht abgeleitet. Das SEM erklärt, der Bund prüfe «Sensibilisierungs- und Schulungsmassnahmen». Die Arbeiten dazu befänden sich jedoch erst in Vorbereitung und begännen im ersten Halbjahr 2026. Anerkannt ist das Phänomen also, benannt auch. Was daraus folgt, ist offen.
Das Leid der Eltern
Das Land, für dessen Freiheit er schon fast sein ganzes Leben lang kämpft, hat Loten Namling nie gesehen. Einreisen kann er, wie viele Exiltibeterinnen und -tibeter, nicht. Er kennt das Land aber aus den Erzählungen seiner Eltern, die damals, vor über 70 Jahren, zusammen mit schätzungsweise rund 80’000 Menschen nach Nordindien geflohen sind, viele von ihnen nach Dharamsala – dem Ort, an dem der Dalai Lama lebt und der zum Zentrum der tibetischen Exilgemeinschaft wurde.

Glück und Trauer stehen nebeneinander, wenn Loten Namling von seinen Eltern erzählt. Arm sei die Familie gewesen, in Dharamsala in den 1960er Jahren. Aber nie allein. «Wir waren Hunderte von Kindern. In den Betten schliefen wir übereinander. Wir hatten nur einen einzigen Fussball auf dem Pausenhof», er lacht. «Wenn du den einmal hattest, warst du König.»
Und doch spürte er schon als Kind, dass etwas nicht stimmt. Sanft fährt er mit seiner Handfläche über den rauen Tisch im Berner Lokal. «Meine Eltern, alle aus ihrer Generation, sie haben immer geweint, wenn sie uns Geschichten von Tibet erzählten.» Sein Vater berichtete von den Tieren dort. «Die wunderschönen Antilopen. Da waren Tausende, Tausende von freien Antilopen im weiten Land.» Diese Natur, habe sein Vater gesagt, «sie war so schön».
Seine Mutter sang beim Arbeiten, spirituelle Lieder über Vergänglichkeit, Mitgefühl und die Taten grosser Heiliger – Lieder aus der verlorenen Heimat. Namling hat ihr immer zugehört. «Sie ist meine Lehrerin geworden. Wahrscheinlich ihretwegen bin ich heute Sänger», sagt er.

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Seine Augen werden dunkel, traurig, das Schicksal seiner Eltern mit all ihren Tränen und Verlusten hat sich ihm eingeprägt. Er schlägt mit der Hand auf den Tisch, die Kaffeetassen klappern. «Ich wollte sie nicht mehr so leiden sehen. Darum kämpfe ich.»
In der Schweiz singt er
Mit dem Singen begann Namling in der Schweiz. 1989 kam er auf Einladung einer wohlhabenden tibetischen Exilfamilie ins Land. Sie sah in ihm eine gute Partie für eine ihrer Töchter. Namling selbst stammte aus einer im alten Tibet angesehenen Familie und hatte inzwischen in Indien Philosophie studiert. «Sie wollten einen kultivierten tibetischen Schwiegersohn, und ich habe gesagt: ‹ok, why not›.» Er war 25 Jahre alt und wollte mehr von der Welt sehen.
In der Schweiz arbeitete Namling zuerst in Trogen im Pestalozzi-Kinderdorf als Erzieher für tibetische Kinder. Hier hätte er ein behagliches Leben führen können. Doch er blieb unruhig, so erzählt er heute. In ihm stieg eine Erinnerung an Nordindien und seine Eltern auf; er ist damals sieben oder acht Jahre alt. Allein in dem Haus seiner Eltern. Er schaut hinaus, die Sonne geht unter, und er beginnt zu singen – einfach aus Freude. «Da wollte ich Musiker sein», sagt er.
Aber seine Schwiegereltern – inzwischen war er verheiratet – hatten Mühe mit seiner neuen Berufung; es kam zu Spannungen in der Beziehung und schliesslich zur Scheidung. Er sagt dazu: «Ich bin nicht in die Schweiz gekommen, um ein reiches Leben zu führen.»
In seinem musikalischen Werdegang fügten sich die Dinge. Er nahm seine Laute zu tibetischen Treffen und begann regelmässig zu spielen, sang wieder die Lieder seiner Kindheit. Ab 1992 auch vor Publikum, an Konzerten. Lieder aus dem Himalaya. Oft auch mit moderneren Klängen, teilweise mit Blues-Elementen oder in Kollaborationen mit westlichen Musikern.
Er zog nach Bern, wo er heute noch lebt, und bekam mit einer Schweizerin eine Tochter und einen Sohn. Über seine Kinder spricht er zuerst ruhig. «Ich sagte meinen Kindern nie, dass sie Tibeter sein müssen, sie sollen selber wählen.» Sie müssen seinen Kampf nicht weiterführen, aber Namling ist es wichtig, dass sie «ihre Wurzeln kennen.» Doch als seine inzwischen erwachsenen Kinder Tibet besuchen wollten, wurde ihnen von den chinesischen Behörden die Einreise verweigert. Es macht Namling wütend: «Sie sind Schweizer. Nur weil ihr Name tibetisch ist, weil ihr Vater ein Tibeter ist – das ist ein Verbrechen.»
Der singende Krieger
Namlings Lieder handeln von Hoffnung und Kraft, er selbst nennt sich einen Krieger. Er weiss, wie schnell dieses Wort romantisiert werden kann. «Das ist kein Film. Das ist kein Abenteuer. Das ist Alltag», sagt der 62-Jährige. «Und dieser Alltag ist oft sehr einsam.» Trotzdem macht er weiter: «Solange ich nicht aufgebe, ist Tibet nicht verloren», sagt er und meint: Tibet eixtiert so lange, wie jemand bereit ist, dafür zu kämpfen.
«Viele meiner Freunde sagen mir, Tibets Zeit ist vorbei.» Ob er ein freies Tibet noch erleben wird, weiss er nicht. Und an ein Zusammenleben von Tibetern und Chinesen glaubt er unter den heutigen Bedingungen nicht: «Nicht weil ich die Chinesen hasse, sondern weil China in den letzten siebzig Jahren alles Tibetische zerstören wollte.»

Foto: Ramon Cunz
Auf die Frage, warum er trotz Chinas Übermacht weiterkämpft, erklärt Namling: «Wenn man kämpft, dann überlegt man nicht, ob man gewinnt.» Für ihn rückt seine individuelle Existenz in diesem Kampf zurück. «Ich kämpfe für die nächste Generation – und für die Generation danach.» Er ist überzeugt, dass Unterdrückung und Gewalt nur eine Zeit lang funktionieren. «Alle Weltmächte, alle Diktatoren, die Menschen unterdrückt haben – mit der Zeit sind sie alle gefallen. Auf einmal war die Sowjetunion weg, obwohl das niemand gedacht hat.»
An der Gewaltlosigkeit hält er fest. «Ich benutze meine Stimme statt einer Waffe.» Die Kultur und die Geschichte Tibets seien immer durch Lieder weitergegeben worden. «Wir hatten keine Bücher. In den Liedern war alles drin: Geschichte, Verlust, Hoffnung.» Er sagt: «Wenn ich singe, geht Tibet nicht vergessen.»
Veröffentlicht in der Berner Zeitung und Der Bund am 16.01.26



















































