Die Sparmassnahmen der Gemeinde Trimbach wirken sich auch auf die Jugendarbeit aus. Das Betreuungspersonal berichtet von Stress, die Jugendlichen sind weniger oft betreut. Doch der Gemeindepräsident benennt die Prioritäten des Gemeinderats.

Bild: Bruno Kissling
«Die Situation ist wirklich schwierig», sagte Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach, vergangene Woche zu dieser Zeitung. Damit betonte er die finanzielle Notlage, in der sich seine Gemeinde befindet: ein Fehlbetrag von fast zwei Millionen Franken für 2024. Eine Steuererhöhung sollte helfen, aus den roten Zahlen zu kommen, wurde jedoch von der Bevölkerung Ende des vergangenen Jahres abgelehnt. Der Gemeinderat spart jetzt deshalb auch bei der Jugendarbeit.
Auftrag der Bevölkerung lautete anders
Das lässt aufhorchen. Denn die Bevölkerung hat sich in der Gemeindeversammlung im Dezember 2022 nicht nur gegen höhere Steuern ausgesprochen, sondern eben auch gegen Kürzungen bei der Jugendarbeit. Um rund die Hälfte wollte der Gemeinderat das Budget und damit die Stellenprozente für die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJAT) damals streichen. Der Souverän befand jedoch, dass diese Abstriche dem Zusammenleben in der Gemeinde schaden würden.
Gerade in einer Gemeinde, in der viele Eltern und Kinder einen Migrationshintergrund mitbringen, sei die Jugendarbeit und ihre integrative Leistung sehr wertvoll, argumentierte damals Julien Vonesch, Mitglied der Jugendkommission Trimbach. Vor allem die Jugendlichen aus weniger gut situierten Familien seien auf die Beratung, Begleitung und Vernetzungsarbeit angewiesen.
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit Trimbach (OKJAT) dient Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen als Anlaufstelle. Sie betreibt am Mühleweg 11 eine Infothek mit Informationen zu Kinder- und Jugendthemen, wie Berufswahl, Freizeit oder Gesundheit, und betreut den Kinder- und Jugendtreff Chillout. Daneben unterhält die OKJAT den Jugendraum Schürli. Die OKJAT wird von der Kinder- und Jugendförderung Bieli GmbH betrieben.
Bis Mitte 2023 hatte die OKJAT ein Budget von 140’000 Franken für 120 Stellenprozente erhalten. Per Ende August 2023 wurde das Mandat für die OKJAT, das David Bieli mit seiner Kinder- und Jugendförderung Bieli GmbH 2019 übernommen hat, von der Gemeinde gekündigt. Somit konnte die Gemeinde das Mandat neu an die OKJAT vergeben – jedoch hat der Gemeinderat das Mandat nur zur Hälfte der ursprünglichen Stellenprozente ausgeschrieben; die OKJAT arbeitet seither mit reduziertem Personal.
Sparen bei der Jugendarbeit?
Warum kürzt Trimbach trotz anderem Auftrag bei der Jugendarbeit? Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach, sagt auf Anfrage, dass es sich weniger um eine Kürzung, sondern eher um eine Umstrukturierung handle. Die finanziellen Mittel in Trimbach müssten gezielter eingesetzt werden; so hätte die Gemeinde die Frühförderung in Deutsch ausgebaut und zusätzliches Geld in Spielgruppen investiert. Dazu kämen noch Ausgaben für die Schulsozialarbeit, und diese seien unantastbar.

Bild: Bruno Kissling
Aber er könne es nicht von der Hand weisen: «Jeder Einschnitt schmerzt. Aber falls es zur Zwangsverwaltung durch den Kanton kommt, gibt es gar keine Jugendarbeit mehr, diese ist vom Gesetz nicht vorgeschrieben.»
Sparmassnahmen mit Folgen
Das OKJAT-Personal spüre die Sparmassnahmen der Gemeinde, sagt David Bieli, Betreiber des OKJAT. Seit sie das Mandat neu übernommen hätten, sei die Situation schwieriger. Das Personal erledige jetzt viele Aufgaben gleichzeitig, das sei bei dieser anspruchsvollen Arbeit schwierig und führe zu Stress.
Aber vor allem die Kinder und Jugendlichen Trimbachs bekämen die Folgen der Sparmassnahmen zu spüren: Im Januar gab die OKJAT auf ihrer Internetseite bekannt, dass der Jugendtreff Chillout künftig nicht mehr verbilligt an Jugendliche vermietet werden könne. Zudem mussten dessen Öffnungszeiten eingeschränkt werden, da das Betreuungspersonal nicht mehr rund um die Uhr verfügbar sei.
«Das ist schade, es ist ein cooles Angebot für Jugendliche», sagt David Bieli. Das Chillout sei bei ihnen beliebt. Sie mieteten das Chillout auch gerne für ihre Feste, Abschlüsse von Schulklassen, Geburtstagspartys und einfach für spontane Anlässe.
Martin Bühler betont, dass er die Arbeit der OKJAT sehr schätze. Leider sei Trimbach wirklich eine arme Gemeinde und man müsse Abstriche machen. Gute Vorschläge von Jugendlichen, zum Beispiel für ein Sommerprogramm, werde die Gemeinde gerne unterstützen.
Veröffentlicht im Oltner Tagblatt / www.oltnertagblatt.ch