«Die Situation ist wirklich schwierig»: Trimbach spart sogar bei den Kosten für amtliche Publikationen

Die Gemeinde Trimbach publiziert fortan nur noch in reduzierter Form im «Niederämter Anzeiger». Diese vermeintlich banale Nachricht ist Symptom der finanziellen Notlage, in der sich Trimbach befindet: Es muss an allen Ecken und Enden gespart werden.

Gemeindeverwaltung von Trimbach: Die finanzielle Lage der Niederämter Gemeinde ist prekär.
Bild: Bruno Kissling

Nach der «Trimbacher Seite» sucht man in der aktuellen Ausgabe des «Niederämter Anzeigers» vergeblich. Bis Mitte Januar informierte die Gemeinde auf ihrer eigenen Seite im amtlichen Publikationsorgan über die Abfallentsorgung, über Füchse und Marder im Dorf, Jass-Nachmittage und Gospel-Konzerte. Jetzt publiziert die Gemeinde nur noch das Notwendigste und das, wozu sie amtlich verpflichtet ist.

In der aktuellen Ausgabe sind das Informationen zu zwei laufenden Bauausschreibungen, dazu das Datum der nächsten Gemeinderatssitzung. «Die Traktandenliste finden Sie auf unserer Homepage und in unserer App», steht unter der kleinen Anzeige geschrieben. Anfang des Jahres gab die Gemeinde an selber Stelle bekannt, auf alle grösseren Publikationen im Anzeiger zu verzichten.

Ein Fehlbetrag von fast zwei Millionen Franken

Diese augenscheinlich kleine Angelegenheit steht in Zusammenhang mit einer Notlage: mit der prekären finanziellen Lage der Gemeinde. Für 2024 wird ein Fehlbetrag von fast zwei Millionen Franken erwartet; es droht die Zwangsverwaltung durch den Kanton. Ein Antrag auf eine Steuererhöhung um drei Prozent wurde von der Bevölkerung in der Budget-Gemeindeversammlung, die einer Krisensitzung glich, im vergangenen Dezember abgelehnt. Nun muss die Gemeinde an allen Ecken und Enden sparen.

Bis zu 20’000 Franken könne die Gemeinde pro Jahr einsparen, wenn sie auf die «Trimbacher Seite» verzichte, sagt Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach, auf Anfrage.

Martin Bühler, Gemeindepräsident von Trimbach.
Bild: Bruno Kissling

Bühler verweist auf die Gemeinde-App, die Trimbach 2021 lanciert hatte. Darin könne man alle wichtigen Ereignisse in Trimbach einsehen, man erhalte auch Push-Nachrichten, wenn etwas Dringendes anstehe. Die App fordere Nutzerinnen und Nutzer sogar dazu auf, die Abfallsäcke rechtzeitig für die Kehrichtabfuhr bereitzustellen. Etwa 1000 der rund 6500 Einwohnerinnen und Einwohner Trimbachs würden die App bereits nutzen.

Auf analoge Plakate und Aushänge achten

Er bedaure die virtuelle Handhabe auch, gerade für ältere Menschen, von denen manche digital nicht gut ausgerüstet seien, antwortet Bühler auf Rückfrage, «aber die Situation ist wirklich schwierig». Man solle jenen Personen, die Mühe mit ihren Mobilgeräten haben, doch bitte helfen, die Trimbach-App richtig einzustellen. So könnten auch sie ohne grosse Mühe wichtige Informationen auf dem Bildschirm sehen.

Die Gemeinde bemühe sich zudem, Veranstaltungen an gut sichtbaren Orten im Dorf zu plakatieren: Die Bevölkerung solle bei der Gemeindeverwaltung, am Coop und beim Voi sowie bei der Drogerie Kurz nach angeschlagenen Plakaten Ausschau halten.

«Es tut mir weniger weh, beim ‹Niederämter Anzeiger› einzusparen, als an anderen Orten», sagt Bühler und berichtet von den Einsparungen, die die Gemeinde überall vornehmen muss: So werde etwa der Mühlemattsaal im Normalfall nicht mehr über 18 Grad geheizt und in Gebäuden der öffentlichen Verwaltung werde auf LED-Beleuchtung umgestellt.

Wird weniger stark beheizt in Zukunft: der Trimbacher Mühlemattsaal.
Bild: Bruno Kissling

In erster Linie konzentriere sich die Gemeinde jedoch darauf, das Steuersubstrat zu erhöhen – bekämpfen der Ursache quasi. Trimbach sei eine arme Gemeinde, betont Bühler. Das Ziel sei es nun, finanzkräftige Personen, die mehr Steuern zahlen könnten, anzulocken. Dafür würden Renovierungen von Liegenschaften, die sich in Gemeindebesitz befinden, durchgeführt.

Die Notlage hat auch positive Seiten

Die Notlage der Gemeinde hat jedoch auch positive Seiten: Die Stimmung im Gemeinderat sei gut, versichert der Gemeindepräsident. Man sei durch die Notlage eher zusammengerückt und spreche zunehmend mit einer Stimme – politische Spiele würden hintangestellt, das Tagesgeschäft stehe im Vordergrund. «Wir gehen zusammen durch einen Erkenntnisprozess», formuliert Bühler und macht darauf aufmerksam, dass es eine schwierige Aufgabe ist, eine Gemeinde in finanzieller Notlage zu verwalten.

Mitte des Jahres will Bühler die finanzielle Situation seiner Gemeinde neu bewerten. «Dann werden wir sehen, ob unsere Massnahmen greifen.» Ob die grösste Gemeinde des Niederamts das Geschehen im Dorf bald wieder vielfältiger im «Niederämter Anzeiger» publiziert und abbildet, wird sich dann zeigen.

Veröffentlicht im Oltner Tagblatt / www.oltnertagblatt.ch