Zum dritten Mal findet dieses Wochenende auf einem Hügel oberhalb von Trimbach das Jor-Cana-Festival statt. Die «Organisatoren» erwarten die Besucherinnen und Besucher mit einem aussergewöhnlichen Konzept: Sie sagen dem Konsum den Kampf an.

Bild: Bruno Kissling
«Jor Cana» sei ein keltischer Ausdruck für «Jura-Gefäss», erklärt Reto Meister die auffällige Namenswahl für das Festival, das an diesem Wochenende auf den Jurahöhen oberhalb von Trimbach stattfindet.
«Das Festival soll ein Ort sein, ein Gefäss, in dem Menschen zusammenkommen und sich kreativ ausleben», erklärt der grossgewachsene Mann und zeigt auf das Festivalgelände: ein Stück Wiese mit Blick auf die Hügel über Trimbach.Einige junge Männer arbeiten am Donnerstag an Installationen aus Holz: eine kleine Bühne für die Konzerte, die am Donnerstagabend beginnen, und ein hölzerner Turm für den DJ, der beim Eindunkeln eine Lichtshow mit «psychedelischen Visuals» zeigen wird.

Bild Bruno Kissling
In der Mitte des Geländes steht bereits das grosse Zelt, in dem sich die Menschen treffen sollen. Hier können sie Filme auf einer Leinwand anschauen und an verschiedenen Workshops teilnehmen, darunter Meditation und Yoga. Etwas abseits steht ein grosses Küchenzelt, in dem man sich verpflegen kann.
Ein Festival zum Mitmachen
Die Verpflegung sei kostenlos, erklärt Meister. Aber die Organisatoren haben nicht viel auf Lager. Deshalb sind alle, die kommen, dazu angehalten, selbst Verpflegung mitzubringen. «Wir sind kein Konsumfestival», umschreibt Meister das Konzept. Es gehe darum, das Festival mitzugestalten: «Viele Menschen, die den steilen Weg zum Festivalgelände auf sich genommen haben, reagieren erst einmal verwirrt, wenn sie hören, dass sie das Festival mitgestalten sollen», so Meister weiter. Dabei müsse es gar nicht viel sein, man könne beim Aufräumen helfen oder das Essen zubereiten.
Manche würden sich aber auch spontan entscheiden, etwas Grösseres zu organisieren, einen zusätzlichen Workshop oder einen musikalischen Beitrag. Das sei die Vision, betont Meister: «Wir wollen, dass die Menschen, die hierher kommen, nicht nur passiv konsumieren, sondern sich aktiv einbringen. Wir laden sie ein, kreativ zu sein.» Deshalb nehme man auch keine Geldspenden an, sondern animiere die Gäste zum Mitmachen.
Am Wochenende wird an den Abenden mit etwa 300 Personen gerechnet. Es kämen Leute allen Alters und mit den verschiedensten beruflichen Hintergründen. Auf die Frage, wie sie das Festival finanzieren, zeigt Meister auf die drei hölzernen Toilettenhäuschen. «Das sind unsere grössten Ausgaben», erklärt er. «Wir versuchen, alles auf ein Minimum zu beschränken.»
Die 20 Franken teuren Tickets seien für zwingende Unkosten gedacht. Geld verdienten sie mit dem Festival nicht. Das Gelände bekommt die Gruppe um Meister von einem Bekannten zur Verfügung gestellt. Beim Transport der Zelt- und Bühneneinrichtungen haben ihnen Bauern aus der Umgebung geholfen. Sie seien in der Region gut vernetzt, erklärt der gebürtige Trimbacher.
Hier erlebt man kleine Acts hautnah
Rund 15 verschiedene Bands werden am Festival auftreten. «Es sind wenig bekannte Musikerinnen und Musiker, vor allem aus der Schweiz, aber auch einige aus dem Ausland», erklärt Christoph Schärli, der als Kontaktperson für die Musikerinnen und Musiker fungiert, das musikalische Programm. Dazu zählen Ophelia’s Iron Vest, eine Bluegrass-Band aus Luzern; Cairo Jag aus den USA, die psychedelischen Rock’n’Roll spielen oder die deutsche Singer-Songwriterin Ella Julie.
Organisieren müsse er nicht viel, sagt Schärli, denn obwohl sie den Musikerinnen und Musikern nur einen Unkostenbeitrag zahlen, hätten sich viele von selbst gemeldet, manche schon im Frühjahr. Die gute Atmosphäre auf dem Festivalgelände und das gesellige Beisammensein hätten sie angelockt, vermutet Schärli.

Bild: Bruno Kissling
Von der guten Stimmung und dem Miteinander in den vergangenen zwei Jahren berichten auch Senâ Gülkanat und Julia Schärli, die beiden jungen Frauen, die im Küchenzelt, in dessen Mitte ein Feuer brennt, ein Mittagessen zubereiten. Hier oben erhalte sie eine Auszeit vom konsumorientierten Denken der Gesellschaft, sagt die Oltnerin. Und Schärli ergänzt: «Hier herrscht kein Individualismus, wir arbeiten zusammen.»

Bild: Bruno Kissling
Auf den für den Abend angekündigten Regen angesprochen, zuckt Schärli mit den Schultern: «Solange es keinen Sturm gibt, sind wir mit den Zelten gut ausgerüstet», erklärt sie lachend. «Wir nehmen es, wie es kommt», sagt Reto Meister. Er vertraut darauf, dass es schon irgendwie gut kommt. Das habe er bei der Organisation des Festivals gelernt.
Veröffentlicht im Oltner Tagblatt / www.oltnertagblatt.ch






