Seit mehr als zwanzig Jahren fährt Nazmi Buchs seinen Milchexpress durchs Niederamt und durch Olten. Vor Ort bedient er seine Kundschaft mit viel Charme. Mit regionalen Produkten.

Bild: Bruno Kissling
«Es ist der schönste Job, den es gibt», sagt Nazmi Buchs, als wir im Milchexpress Richtung Trimbach fahren. Er lacht. Im zum fahrbaren Dorfladen umgebauten Lieferwagen klappert die Ladung, wenn der beschwingte Mann routiniert durch die Kurven seiner Route lenkt. Die Regale sind gut gefüllt mit Eiern, Tomaten, Pfirsichen, Erdbeeren und frischem Gemüse. Auch Nudeln, Fertigsuppen oder Konserven hat Buchs im Angebot. Es riecht nach Käse und Wurst.
«Das kommt alles aus der Region», sagt Buchs. Das Gemüse und die Früchte kaufe er von Bauern aus der Umgebung, das Fleisch stamme aus der Dorfmetzgerei in Trimbach, das Brot aus der Bäckerei. «Nur die Fertigprodukte natürlich nicht», fügt er hinzu. Um die 400 Produkte kämen so zusammen, schätzt er, doch so genau könne er das nicht sagen.
Arbeit aus Sympathie zu den Menschen
Seit mehr als zwanzig Jahren ist Nazmi Buchs, der als junger Mann vor dem Krieg im Kosovo in die Schweiz floh, mit seinem Milchexpress unterwegs. Sechs Tage die Woche, jeweils von 7 bis 15 Uhr. Je nach Wochentag führen ihn seine Routen in die Gemeinden Olten, Trimbach, Wangen, Winznau, Dulliken, Däniken, Starrkirch-Wil und Schönenwerd bis nach Aarau, wo er auch eine Alterssiedlung versorgt. Zwischen 50 und 100 kaufwillige Personen bedient er so täglich.

Bild: Ramon Cunz
Daneben führt der geschäftige Mann noch ein Immobilienunternehmen. «Ich arbeite 140 Prozent, das ist schon streng», sagt er, doch den Milchexpress könne er nicht aufgeben. «Das ist meine Leidenschaft, dieser Job ist wie für mich gemacht.»
Was meint er damit? «Die Menschen sind total wertschätzend», erklärt er. Und führt aus: «Viele sind meine Kollegen geworden. Wir tauschen uns aus. Sie erzählen mir von ihrem Leben, ich höre viele Geschichten.» Es sei ein sozialer Job. Während zwei Jahren hat er den Milchexpress aufgegeben, das sei eine schwierige Zeit gewesen: «Ich wurde fast depressiv, darum habe ich wieder angefangen.»
Eine gemütliche Alternative zum Supermarkt
Wir halten in Trimbach, in der Rankwog. Buchs lässt seine Fanfare, ein lautes «Tärütara», erklingen, sein Erkennungszeichen. Er öffnet die Seitentür des Lieferwagens, auf dem mit grosser Schrift «frisch, persönlich, regional» geschrieben steht. Es dauert nicht lange, und Menschen tauchen zwischen den Wohnblöcken und den Reihenhäusern auf. «Wir sind zu spät dran», sagt Buchs, «die haben schon gewartet».

Bild: Bruno Kissling
Ein älterer Mann kommt schnurgerade auf den Wagen zu und grüsst herzlich. Er kaufe schon seit gut zwanzig Jahren beim Milchexpress ein, sagt er, und lobt den Schweizer Käse, den Buchs neben seiner kleinen Kasse mit einem Käseschneider auf Wunschgrösse zuschneidet. Es geschäftet sich gemütlich: Bezahlt wird bar, Preisschilder gibt es keine, man fragt einfach nach, wie teuer etwas ist. Eine Frau erkundigt sich, ob es noch Honig gebe, Buchs holt ihn heraus und zeigt noch die Aprikosen, die gerade besonders süss seien. Neben dem Einkassieren werden Befindlichkeiten ausgetauscht.

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Das alles wirkt ruhig, vertraut und auf eine angenehme Art altmodisch, ganz anders, als wenn man sich bei den Riesen des Detailhandels zwischen Hunderten von Produkten entscheiden muss – und sich dann in die Schlange vor der Selbstbedienungskasse stellt.

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Vertrautheit als Geschäftsmodell?
Ob diese Vertrautheit mit den Kundinnen und Kunden auch ein Geschäftsmodell sei, fragen wir. Buchs winkt ab. Nein, er interessiere sich wirklich für die Menschen. «Dann kommt wie von selbst eine gute Stimmung auf.» Man glaubt dem Mann. Manchmal gebe es auch anspruchsvollere Leute, zum Beispiel, wenn sich jemand beschwere, weil er ein Produkt nicht im Angebot hat. Doch damit habe er gelernt umzugehen. Er sage dann jeweils, «dann geh halt in die Migros».
Eine junge Frau, die jetzt hereintritt, sagt: «Ich kaufe hier ein, weil immer alles frisch ist.» Und ergänzt: «Das ist gut für die Kinder.» Sie müsse nicht extra in die Stadt und könne bei den Kindern bleiben. Seit Corona habe sich die Kundschaft etwas geändert, erklärt Buchs. Und er seufzt: «Während der Pandemie waren es wirklich sehr viele Menschen, das konnte ich fast nicht bewältigen.»
Dann geht es weiter durchs Quartier. Auch beim nächsten Halt warten die Menschen schon. Ein Rentner erzählt, dass er regelmässig bei Buchs einkaufe. Das sei praktisch, wenn man nicht in die Stadt wolle. Nur etwas teuer sei es, fügt er an, doch man zahle wohl die Lieferung vor die Haustüre mit. Der Grund sei, weil alles regional und frisch ist, kommentiert Buchs. Schlechte Ware kaufe er gar nicht erst ein.
«Man kann hier auch in ganz kleinen Mengen kaufen», ergänzt Geertie van Risin. Auch sie kauft seit Jahren bei Buchs ein. Manchmal auch nur ein kleines Stück Käse. Viele Quartierläden seien eingegangen, da sei der Milchexpress eine gute Alternative, sagt sie und ergänzt: «Es muss nicht immer viel und gross sein, klein ist auch gut.»

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Veröffentlicht im Oltner Tagblatt / www.oltnertagblatt.ch