«Ich höre nichts, das tut doch weh»

Seit drei Jahren gibt es die Drama Academy Switzerland in Olten. Mitgründer Luigj Jax Laski gibt einen Einblick in den Unterricht und berichtet über die Herausforderungen von angehenden Schauspielerinnen und Schauspielern. Es zeigt sich: Sie haben es schwer.

Studierende der Drama Academy Switzerland bei einer Schauspielübung.
Bild: Bruno Kissling

Sechs junge Frauen und Männer werfen sich auf den Boden und stöhnen leise vor Schmerzen, als sie sich gegenseitig Dornen aus den Füssen ziehen. «Ich höre nichts, das tut doch weh», sagt Luigj Jax Laski, der über ihnen steht, und feuert sie an, ihre Not glaubhafter auszudrücken. Dann springen sie auf und setzen sich in die erste Reihe der kleinen Tribüne im Theaterstudio Olten und hören sich die Rückmeldung des Dozenten an.

Die sechs jungen Menschen wollen Schauspielerinnen und Schauspieler werden. Dafür besuchen sie ein Jahr lang jeden Montagabend nach dem Arbeiten für drei Stunden die Drama Academy Switzerland (DAS).

Aus Leidenschaft zum Schauspiel

Die Schauspielschule in Olten feiert dieses Jahr ihr dreijähriges Bestehen. Sie könnte sich am Markt halten. Doch neben den staatlich finanzierten Studiengängen an den Kunsthochschulen bieten gemäss Studien- und Laufbahnberatung fünfzehn weitere private Schauspielschulen in der Deutschschweiz Schauspielunterricht an. Wie will sich die DAS behaupten und wie steht es um die Zukunft der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nach dem Studiengang?

Sie hätten die DAS gegründet, um eine Alternative zu den etablierten Schauspielschulen zu bieten, sagt Luigj Jax Laski, Mitgründer und Direktor der DAS. Denn diese seien oft von den alten Hasen im Schauspielgeschäft dominiert. «Bei uns unterrichten mehrheitlich junge Menschen, die am Puls der Zeit sind», erklärt er. «Zum Beispiel Julian Quentin, ein junger Filmemacher und Schauspieler aus Zürich.» Laski betont: «Wir haben die Schule aus Leidenschaft zur Schauspielerei gegründet, es geht uns nicht ums Profitstreben.»

Ein schwieriges Berufsfeld

Laski ist sich der schwierigen Berufsaussichten bewusst: «Es geht um Ehrlichkeit, der Beruf ist oft ein Überlebenskampf, man kann das nicht schönreden», sagt Laski. Viele Schauspielschulen wollten den Studierenden eine «möglichst gute Experience geben». Und er fügt an: «Sie bauen ein Jahr lang eine Scheinwelt auf und dann platzt alles.» Dem wollen er und die anderen Dozierenden Gegensteuer geben. «Wir können das besser», sagt er selbstbewusst.

Erwerbssituation von Schauspielerinnen und Schauspielern: Der Berufsverband für Schweizer Filmschaffende hat 2019 eine Umfrage zur Erwerbssituation von Schweizer Schauspielerinnen und Schauspielern durchgeführt: Zwar seien die meisten gut ausgebildet, dennoch gestalte sich ihr Werdegang meistens schwierig. Rund 58 Prozent würden gerade mal ein Jahreseinkommen von bis zu 30’000 Franken erhalten; nur 19 Prozent würden mehr als 50’000 Franken verdienen. Auch im weiteren Karriereverlauf würden nur wenige in gesicherten finanziellen Verhältnissen leben. Zum Beispiel geben viele (76 Prozent) der Befragten an, nicht ausreichend in die Altersvorsorge einzahlen zu können, um nicht von Altersarmut betroffen zu sein. (rac)

«Das Ziel ist es, die Studierenden auf den Schauspielberuf vorzubereiten», sagt Laski. Dafür lehrten sie den Studierenden neben Schauspieltechniken den Umgang mit Agenturen. Sie zeigten ihnen, wie sie sich ein professionelles Image als Schauspielende aufbauten. «Sie sollen im umkämpften Markt bestehen können.» Sie haben auch ihre eigene Agency Group ins Leben gerufen, also eine Agentur, welche besonders talentierte Absolventen der DAS unter Vertrag nehme und vermittle.

Rund 9000 Franken kostet das Jahr an der DAS. Der Preis sei gerechtfertigt, erklärt Laski, denn sie würden nur 10 bis 12 Studierende aufnehmen. Ansonsten könnten sie diese nicht individuell fördern.

Studierende an der DAS diskutieren über Schauspieltheorie.
Bild: Bruno Kissling

Davon gibt es eine Kostprobe: In einem kurzen Theorieblock erklärt Laski die Grundlagen der Stanislawski-Methode, nach der die Schauspielenden ihre eigenen Erfahrungen und Emotionen in ihre Rollen einbringen sollen. Es gelingt: Zu zweit improvisieren die Studierenden eine kurze Szene: Sie spielen Wut und Trauer bei einem Spaziergang durch den Zoo. Alles sieht glaubwürdig aus. Man merkt: Die jungen Leute haben gelernt, ihre Emotionen für ein potenzielles Publikum lebendig auszudrücken.

Eine Zukunft im Schauspiel?

Wie sieht eine Studierende ihre Zukunft? Melissa Lischer studiert seit Herbst an der DAS. Angesprochen auf den Grund ihres Studiums sagt sie sofort: «Ich will professionelle Schauspielerin werden.» Sie habe hier viel gelernt, vor allem das Handwerk der Schauspielerei. «Und auch mich wohlzufühlen als Schauspielerin.» Aber sie weiss: «Die Konkurrenz ist gross. Darum muss man auffallen.» Und berichtet stolz, dass sie bereits eine Rolle in einem Musical bekommen habe. Im Sommer gehe es los.

Die Schauspielstudentin Melissa Lischer.
Bild: Bruno Kissling

Auch Laski kennt die schwierigen Verhältnisse im Schauspielbusiness aus eigener Erfahrung: Zwei Schauspielschulen hat er besucht, sich bereits sehr jung als Influencer und als Showmaster einer Late-Night-Show versucht. Jetzt arbeitet er hauptberuflich im Marketing. Sein Herzblut gelte aber nach wie vor der Bühne. Zurzeit schreibe er an einem neuen Bühnenstück. Mehr will er nicht verraten, sagt aber: «Ich bin bekannt dafür, keine gewöhnlichen Sachen zu machen.»

Veröffentlicht im Oltner Tagblatt / www.oltnertagblatt.ch